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Wissenswertes

Echten Honig erkennen: fünf Prüfungen für zu Hause

ULU Redaktion··7 Min. Lesezeit
Zwei geöffnete Honiggläser nebeneinander auf sandfarbenem Leinen, eines cremig kristallisiert, eines flüssig, im Tageslicht

Von 320 Honigproben, die an den EU-Außengrenzen gezogen wurden, standen 147 unter dem Verdacht, mit Zuckersirup gestreckt zu sein. Das sind 46 Prozent der Proben, und der Marker war jedes Mal fremder Zucker. Die Zahl stammt von der Europäischen Kommission, nicht von einem Imkerverband, und sie erklärt, warum die Frage nach echtem Honig gerade so oft gestellt wird. Ein Teil der Antwort steht auf dem Glas. Der Rest steht in einem Laborbericht, und kein Küchentest holt ihn heraus.

Kurz und knapp

Echten Honig erkennst du zu Hause über das Etikett, die Kristallisation und den Preis, nicht über den Wassertest. Bei der EU-koordinierten Aktion From the Hives trugen 147 von 320 Grenzproben Marker für fremden Zucker, also 46 Prozent (Europäische Kommission). Rechtlich ist Honig ein Erzeugnis, dem nichts zugesetzt und dem kein honigeigener Bestandteil entzogen werden darf. Alles Weitere entscheidet ein Labor.

Wie viel Honig im Regal ist wirklich Honig?

Zwischen November 2021 und Februar 2022 zogen 16 EU-Staaten, Norwegen und die Schweiz gemeinsam Proben aus eingeführten Honigsendungen und ließen sie auf fremden Zucker prüfen. Die Untersuchung übernahm die Gemeinsame Forschungsstelle der Kommission.

147 von 320 Proben mit Markern für fremden Zucker, also 46 Prozent

EU-koordinierte Aktion From the Hives, Proben an den EU-Außengrenzen

(Europäische Kommission)

Auffällig heißt: Es fanden sich Marker für Zucker, die nicht aus Nektar stammen, meist aus Reis, Weizen oder Zuckerrübe. Eine vergleichbare Kontrolle einige Jahre zuvor fand bei 14 Prozent der Proben Hinweise auf fremden Zucker. Ob sich das Problem vervierfacht hat oder die Messtechnik besser geworden ist, lässt sich aus den beiden Zahlen nicht ableiten, und die Kommission behauptet das auch nicht.

Zwei Einordnungen gehören dazu. Erstens: Das sind Proben an der Außengrenze, keine Stichprobe aus deutschen Supermarktregalen. Zweitens: Verdacht ist kein Nachweis. Jede auffällige Sendung muss einzeln nachverfolgt werden, und genau das steht im Bericht als Aufgabe, nicht als Ergebnis.

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Was heißt echter Honig rechtlich?

Die EU-Honigrichtlinie ist an dieser Stelle knapp. Honig, der als Honig verkauft wird, darf kein Lebensmittel und keinen Zusatzstoff beigemischt bekommen. Umgekehrt darf ihm auch nichts weggenommen werden, was zu ihm gehört: Pollen und andere honigeigene Bestandteile dürfen nicht entfernt werden, außer es lässt sich beim Aussieben von Fremdkörpern nicht vermeiden.

Dazu kommt eine Zahl, die man sich merken kann. Der Wassergehalt darf 20 Prozent nicht überschreiten. Aus diesem Wassermangel zieht Honig seine Haltbarkeit, und er ist auch der Grund, warum Honig überhaupt kristallisiert: Die Zuckerlösung ist übersättigt.

Was die Richtlinie nicht regelt, ist ein Prüfverfahren für den Verbraucher. Es gibt keinen amtlichen Schnelltest für den Einkauf.

Woran erkennst du echten Honig zu Hause?

Fünf Prüfungen, in dieser Reihenfolge. Keine davon ist ein Beweis. Zusammen ergeben sie ein Bild.

1. Die Herkunftszeile. Die EU hat ihre Honigrichtlinie hier verschärft. Bei Mischungen müssen alle Ursprungsländer aufgeführt werden, absteigend nach Anteil. Die alte Sammelformel über EU- und Nicht-EU-Länder genügt nicht mehr. Ein Glas, das eine Liste von Ländern trägt, ist eine Mischung. Ein Glas mit einem einzigen Land lässt sich leichter zurückverfolgen, ganz ohne dass jemand das Wort benutzt.

2. Das Zutatenverzeichnis. Reiner Honig hat keines, weil er nur aus einer Zutat besteht. Steht dort etwas, ist das Produkt rechtlich kein Honig mehr und braucht eine andere Bezeichnung; üblich ist Honigzubereitung. Das kann völlig in Ordnung sein, ändert aber die Kategorie.

3. Die Kristallisation. Fester, körniger oder cremiger Honig ist der Normalfall. Die Richtlinie führt kristallisierten Honig ausdrücklich als eine Erscheinungsform von Honig. Auffälliger ist das Gegenteil: ein Glas, das über Monate glasklar und dünnflüssig bleibt. Dafür gibt es harmlose Erklärungen, etwa Akazienhonig mit hohem Fruchtzuckeranteil. Es gibt aber auch die unharmlose. Warum Honig fest wird und was das über ihn sagt, steht ausführlich unter Honig kristallisiert: warum echter Honig fest wird.

4. Der Preis pro Kilogramm. Rechne den Glaspreis auf ein Kilo hoch und vergleiche ihn mit dem, was ein Imker in deiner Region für sein Glas verlangt. Honig aus einer einzelnen Ernte, einzeln abgefüllt und einzeln transportiert, kann diesen Preis schwer unterbieten. Ein deutlicher Abstand nach unten ist keine Anklage, aber eine Frage.

5. Die Nachfrage beim Anbieter. Wer verkauft, sollte sagen können, aus welcher Ernte die Charge stammt und ob eine Analyse vorliegt. Die Antwort zählt mehr als ihr Inhalt. Ein Anbieter, der die Frage nicht versteht, hat sie sich noch nie gestellt.

Mehr als diese fünf Punkte kannst du zur Echtheit selbst nicht beitragen. Die andere Frage, ob ein echter Honig auch ein guter ist, hängt an Verarbeitung, Sorte und Geschmack. Dazu gibt es einen eigenen Text: Honigqualität erkennen.

Was zeigen Wassertest, Daumentest und Flammtest?

Diese drei kursieren seit Jahren, und sie sind der Grund, warum viele Menschen glauben, sie hätten ihren Honig geprüft.

TestWas er misstWas er über Echtheit sagt
Wassertest, Löffel in kaltes WasserZähflüssigkeit und Dichtenichts Belastbares. Beides hängt am Wassergehalt und an der Temperatur
Daumentest, Tropfen bleibt stehenOberflächenspannung und Viskositätnichts Belastbares. Ein wärmerer Honig läuft, ein kühler bleibt
Flammtest, Docht brenntFeuchtigkeit der Probenichts Belastbares. Auch Glukosesirup brennt
Alle drei messen dieselbe Eigenschaft in verschiedenen Kostümen: wie viel Wasser in der Probe ist. Ein trockener gestreckter Honig besteht jeden dieser Tests. Ein frisch geschleuderter unverfälschter Honig mit höherem Wassergehalt fällt durch.

Diese Tests sind nicht schlampig gemacht. Sie prüfen etwas, das mit der Frage nichts zu tun hat.

Woran erkennt ein Labor gestreckten Honig?

Zwei Verfahren tragen die Hauptlast. Die Kohlenstoff-Isotopenanalyse nutzt einen Unterschied im Stoffwechsel von Pflanzen: Mais und Zuckerrohr bauen Kohlenstoff anders ein als die Blütenpflanzen, von denen Bienen sammeln. Sirup aus diesen Pflanzen hinterlässt deshalb eine andere Isotopensignatur. Die kernmagnetische Resonanz erzeugt daneben einen chemischen Fingerabdruck der Probe.

Beide haben Grenzen, und die stehen offen in der Literatur. Dort gilt die Isotopenanalyse als das am breitesten anerkannte Verfahren, während die Bewertung von Resonanz- und Massenspektrometrie-Befunden zwischen den Beteiligten umstritten ist. Ein harmonisiertes amtliches Verfahren, auf das sich alle Kontrolllabore stützen könnten, gibt es bis heute nicht (npj Science of Food).

Kein harmonisiertes amtliches Verfahren für fremden Zucker

Breit anerkannt ist allein die Isotopenanalyse

(npj Science of Food)

Wenn die Fachliteratur an dieser Stelle vorsichtig formuliert, sollte es ein Blogartikel auch.

Was auf unserem Glas steht

Unser Honig ist Esparsettenhonig, Herkunftsland Kirgisistan, keine Mischung. Er kommt cremig-weiß und fein kristallisiert ins Glas, und das bleibt er auch, solange er kühl steht. Eine Analyse aus dem Herkunftsland liegt vor, eine vollständige europäische Untersuchung über alle Werte steht aus. Das schreiben wir hin, weil es der Stand ist.

Wie man ein solches Glas lagert, damit die feine Kristallisation erhalten bleibt, steht unter Honig lagern und Kristallisation verstehen. Warum dieser Honig überhaupt weiß ist, steht im Guide zu weißem Honig.

Der eigentliche Prüfsatz

Lies die Herkunftszeile auf der Schauseite. Sie ist eine der wenigen Angaben auf dem Etikett, die jemand gegen sein eigenes Interesse aufschreiben musste.

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Bei der EU-koordinierten Aktion From the Hives trugen 147 von 320 Grenzproben Marker fuer fremden Zucker, also 46 Prozent.

Eine vergleichbare Kontrolle einige Jahre zuvor fand bei 14 Prozent der Proben Hinweise auf fremden Zucker.

Honig, der als Honig verkauft wird, darf kein Lebensmittel und keinen Zusatzstoff beigemischt bekommen, und honigeigene Bestandteile duerfen ihm nicht entzogen werden.

Der Wassergehalt von Honig darf 20 Prozent nicht ueberschreiten.

Wassertest, Daumentest und Flammtest messen alle dieselbe Eigenschaft: wie viel Wasser in der Probe ist, nicht woher der Zucker stammt.

Breit anerkannt ist allein die Isotopenanalyse; ein harmonisiertes amtliches Verfahren zum Nachweis von fremdem Zucker in Honig existiert nicht.

Bei Honigmischungen muessen alle Ursprungslaender genannt werden, in absteigender Reihenfolge ihres Anteils.

Häufige Fragen

Am zuverlässigsten über das Etikett und den Preis, nicht über einen Küchentest. Lies die Herkunftszeile, das Zutatenverzeichnis und rechne den Preis auf ein Kilogramm um. Kristallisation ist dabei ein gutes Zeichen, kein schlechtes. Eine endgültige Antwort gibt keiner dieser Schritte, dafür braucht es ein Labor.

Nein, jedenfalls nicht als Echtheitsnachweis. Der Wassertest zeigt, wie zähflüssig eine Probe ist, und Zähflüssigkeit hängt vom Wassergehalt und von der Temperatur ab, nicht davon, ob Sirup zugesetzt wurde. Gestreckter Honig kann sich im Glas genauso verhalten wie unverfälschter.

Kristallisation spricht eher für als gegen echten Honig. Die EU-Honigrichtlinie beschreibt Honig ausdrücklich als flüssig, zähflüssig oder ganz oder teilweise kristallisiert. Dass Honig fest wird, hängt vom Verhältnis seiner Zuckerarten ab. Ein Glas, das jahrelang dünnflüssig bleibt, ist der auffälligere Fall.

Bei der EU-koordinierten Aktion From the Hives wurden 320 Proben an den EU-Außengrenzen gezogen. 147 davon, also 46 Prozent, trugen Marker für zugesetzten Zucker und standen im Verdacht, nicht der EU-Honigrichtlinie zu entsprechen. Das ist eine Stichprobe an der Grenze, keine Quote für das deutsche Regal.

Bei Mischungen müssen seither alle Ursprungsländer genannt werden, in absteigender Reihenfolge ihres Anteils. Die frühere Sammelformel über EU- und Nicht-EU-Herkunft reicht nicht mehr. Für dich heißt das: Die Länder stehen im Hauptsichtfeld, also dort, wo du ohnehin hinsiehst.

Vor allem über Isotopenverhältnisse und kernmagnetische Resonanz. Die Kohlenstoff-Isotopenanalyse trennt Zucker aus Mais und Zuckerrohr vom Nektarzucker. Ein harmonisiertes amtliches Verfahren fehlt allerdings, und breit anerkannt ist bislang nur die Isotopenanalyse.

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Das ULU Team recherchiert und schreibt zu Honig, Herkunft und bewusstem Genuss.

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